Dann dürfte er nicht mehr mit Kindern theäterlen!

Blick_22.03.13

Wie es sich tatsächlich zugetragen hat!

Als 22 jähriger wurde ich zum ersten Mal 1962 in die Strafanstalt Regensdorf eingewiesen wegen einem Vermögensdelikt (Nicht zurückbezahlen eines privaten Darlehens über einige tausend Franken) und gewerbsmässiger widernatürlicher Unzucht, als Anbieter auf dem Schwulenstrich, was seit 1992 keinen Straftatbestand mehr darstellt.  

1968 erneute Einweisung in die Strafanstalt Regensdorf wegen weiteren  Darlehensbetrügen über einige tausend Franken in Zusammenhang vom Besorgen von Waren für meine betreuten Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Am 23. September 1972 Gründung des Team 72, einer Selbsthilfeorganisation von und für Strafgefangene. Diese Organisation besteht heute noch in Zürich und nimmt ehemalige Strafgefangene ohne Wohnsitz und Arbeit auf und organisiert ihnen den Wiedereintritt in unsere Gesellschaft.
Gründungsmitglieder:
Frau Dr. Hanni Zimmermann, Präsidentin
Herr Alfred Frauenknecht, Vizepräsident
Herr Pfr. Andreas Wüthrich, Aktuar
Herr Dr. Oswald, Kasse
Herr Pfr. Gerhard Keller, Vorstand
Herr Peter Zimmermann, Teamleiter
zwei weitere Strafgefangene, die anonym bleiben wollen

1977, 37-jährig, Geschworenengericht in Zürich wegen Unzucht mit Pflegebefohlenen und Betrug. Verurteilung zu 9 Jahren Zuchthaus und Umwandlung in eine Verwahrung nach dem alten StGB Art. 42 (Gewohnheitsverbrecher).
Entlassung
1983 nach 2 Drittel der Grundstrafe.

1986 erneute Verurteilung wegen Unzucht mit Pflegebefohlenen, widernatürliche Unzucht und Betrug durch das Obergericht des Kantons Aargau zu 6 Jahren Zuchthaus und Rückversetzung in die Verwahrung nach Art. 42 StGB.
Vorerst Einweisung in die Strafanstalt Lenzburg. Hier erfolgte eine 4jährige biblisch-therapeutische Therapie bei einem Theologen/Psychologen.
1990 Versetzung in Halbfreiheit mit Auflagen. Ich arbeitete vollamtlich für die Reform 91, bezahlt durch Kollekten der reformierten Kirche und Spenden.

Die Vorgeschichte meiner letzten 12 Haftjahre:
An einem Samstagnachmittag wurde ich in der Sorgenstube der Reform 91 in Frauenfeld mit 4 Kindern konfrontiert, die in einem Einkaufszentrum mehrmals gestohlen hatten. In der Aufarbeitung dieses Falles erlitt die Mutter der Kinder einen Nervenzusammenbruch und musste notfallmässig am Sonntag in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden. Die Familie hatte kein tragendes soziales Netz und so übernahm vorerst ich die Betreuung der 3 Mädchen und des einen Buben. Am Montag orientierte ich unter anderem den damaligen Vizepräsidenten der Reform 91, Pfarrer Christian Kober, gleich danach das Sozialamt der Stadt Frauenfeld mit dem Antrag sofort eine Haushalthilfe für die 4 Kinder zu organisieren. Die Frau erschien aber erst am Donnerstag nach 4 Tagen. Am darauffolgenden Sonntag hatte ich eine Dialogpredigt in Rafz / ZH. Im Gottesdienst sass  Werner Bucher vom Blick. 2 Tage später erschien der Artikel „Kinderfreund“ Peter Zimmermann: „Passt denn niemand auf diesen Mann auf?“
Macht der Medien: Sofort erfolgte eine Vorladung auf die Justizdirektion des Kantons Zürich und gleich anschliessend die Verfügung: Rückversetzung in die Verwahrung mit Grund des Verstosses gegen die Weisung während der Halbfreiheit keine Kinder zu hüten.

Theater und Kunst als Therapie: In der Strafanstalt Lenzburg schrieb ich die beiden Bücher „Stecknadeln im Heuhaufen“ und „Todesstrafe auf Raten“ mit der Reaktion, dass der damalige Direktor Herr Dr. iur. Martin Pfrunder eine sofortige Versetzung in die Strafanstalt Pöschwies erwirkte. Daran anschliessend kam ich in die Strafanstalt Saxerriet, wo ich die Theatergruppe Reform 91 gründete, die dann zur Theatergruppe Saxerriet wurde. Einige Theater wurden auch ausserhalb der Strafanstalt aufgeführt (siehe Zeugnis Saxerriet).


In der Strafanstalt Saxerriet wurde ich auf Antrag meiner Rechtsvertreterin Frau lic. iur. B. Hug psychiatrisch vom PD Dr. A. Möller/Psychiater (Oberarzt) und einer Psychologin begutachtet. Aus dem Gutachten ging erstaunlicherweise ganz klar hervor:

„Aus den im Gutachten dargelegten Gründen ist die Diagnose einer Pädophilie nicht zu stellen“.


Am 22. April 2002 wurde ich mit Blick auf das oben erwähnte Gutachten mit Auflagen entlassen, die 2005 aufgehoben wurden! Vom Wohnheim Adler in Frauenfeld zog ich im September 2003 in eine eigene 3-Zimmer Wohnung und gründete die Theatergruppe Korn. Gleichzeitig bekam ich eine Anstellung am Theater Basel. Vorerst schrieb ich das Interaktionstheater „Dr Grossätti im Knast“ und spielte dies mit meinen Enkeln. Die Theatergruppe Korn spielte ihr erstes Stück in Thalwil anlässlich einer Altersweihnacht. (siehe Zeitungsartikel). Darauf erfolgten jährliche neue Inszenierungen (siehe  Seite Theatergruppe KORN). 

 

Abschliessend stelle ich fest:
Meine letzte Widerhandlung gegen das Gesetz geschah 1985 und liegt mittlerweile 30 Jahre zurück.

Als Vertreter von Strafgefangenen in der Reform 91, seit 1990 in der Funktion als Präsident bin ich gezwungen Justizorgane zu provozieren und stehe so im Schussfeld der Presse. Seit 1990 produziere ich kontinuierlich, an realen Vorgaben orientiert, neue Aufführungen von Interaktionstheater, über die Medien gerne berichten. Es spielen auch jugendliche Schauspieler mit: Häufig handelt es sich um Themen von Jugendlichen. Es gelingt auch gefährdete Jugendliche von Delinquenz fern zu halten, in eine Gruppe von kreativen Menschen zu integrieren und ihnen zu ermöglichen in eine gesunde soziale Kultur einzuwachsen.
Meine Delinquenz bewegte sich nie im Umfeld von sexuellem Missbrauch von Mädchen, sondern von Knaben nach der Pubertät. Meine Sexualpräferenz ist weder pädo-, noch hebephil. Meine kriminelle Karriere begann, nachdem ich meine damalige Ehefrau in flagranti mit einem Oberarzt im Bett vorgefunden hatte. Im Rahmen herber Enttäuschungen und Blockierungen gegenüber Frauen und einer Rebellion gegenüber falschen gesellschaftlichen Normen fanden sie in einer Überidentifikation mit Jugendlichen und dem damaligen Werten und Vorstellungen von auch sexueller Freiheit statt (vgl. Roman Polanski und Klaus Kinski). Weitere psychische Verletzungen wurden in einer tollen Therapie berührt, sodass ich 1990 begreifen konnte, was ich an andern falsch gemacht hatte. Seitdem habe ich bewusst kreative und andere Kanäle gesucht, die mich und mein Umfeld bereichern. Heilung findet andauernd statt in einem sozial tragenden Umfeld von gegenseitiger Achtung und Toleranz, einem  konstruktiven und auch kritischem Miteinander. Seit 2007 bin ich glücklich in einer erfüllenden Partnerschaft mit einer tollen 58-jährigen Frau.
Die mir beigefügten Verletzungen im Strafvollzug werden immer wieder in mir wachgerufen bei jedem Fall von dem ich Kenntnis erhalte. Ich wünsche mir nichts sehnlicher als dass die Bevölkerung begreift, dass Fehler den Boden für unsere menschliche  Entwicklung und positive Veränderung bilden, wenn sie zugegeben werden und jeder ein Recht auf Leben und Entwicklung in persönlicher Freiheit hat. Nur so ist Menschlichkeit und gesunde Mitmenschlichkeit möglich.

Abschliessend fällt auch hier auf, dass die psychiatrische und die strafrechtliche Definition nicht übereinstimmen. Forensische Psychiatrie und Justiz arbeiten seit Jahrzehnten zusammen um sexuelle Krankheiten und sexuelle Gewalt mittels Unterdrückung zu behandeln und haben diesen Missstand miteinander noch nicht geklärt. Ob eine solch undifferenzierte Haltung wirklich zu einer dem Individuum und der Gesellschaft entsprechenden Verhinderung und effizienten Verfolgung und Behandlung von Straftätern führen kann belegt die Entwicklung.

Weitere Infos entnehmen Sie dem " Schwarzen Peter " Nr. 7 



Sehr geehrte/r Unbekannte/r
Keine Frage, ich kämpfe weiter. Ich bin ja nicht der einzige Entlassene aus dem Straf- oder Massnahmenvollzug. Es freut mich sehr, dass es auch Menschen gibt, die Menschenrechte höher stellen, als Boulevardjournalismus.
Danke für die Unterstützung!